Stroboskopisches Flackern

Das Verbrechen von Julian Assange war, dass er das Bild, welches die USA von sich erschaffen, öffentlich widerlegt hat – oder zumindest seine inhärenten Widersprüche in das Licht der Medienscheinwerfer gebracht hat.

Isolationshaft – massive psychische Folter – war die Folge.

Jede darf Fragen stellen und ihre Antworten in den Kanälen von Telegram (registriert in British Virgin Islands und Dubai, Umsatz unbekannt) oder den Gruppen von Facebook (Meta Platforms Inc., Umsatz 117,929 Billion USD in 2021) verbreiten.

Erst wenn die Frage Teil des von den Massenmedien ausgeleuchteten Bildes wird, die Scheinwerfer in den aufgeworfenen Widersprüchen stroboskopisch zu flackern beginnen, erst dann wird das Fragen zu einem in Frage Stellen und damit zur verbrecherischen Tat.

Das Flackern ist eine Störung der Rückkoppelung: das grelle Pfeifen der Scheinwerfer, die ihre eigene Projektion, welche sie in ihrer Funktion als Projektoren werfen, ausleuchten, wird momentan unterbrochen. In den Sekundenbruchteilen, wo das Ausleuchten der Projektion versagt, wird die Dunkelheit sichtbar. Die Menschen vermissen auf einmal das Pfeifen, das sie sonst nicht sehen.

Auslöser für den Zorn der USA war Material über den Irakkrieg.

Dass wir noch keine Menschen in Isolationshaft halten, die etwas über den Ukrainekonflikt in das Licht der Scheinwerfer gebracht haben, liegt nicht daran, dass die NATO gutartig ist. Es liegt daran, dass wir nicht genug Verbrecher haben, die fähig genug sind, eine stroboskopische Lichtschau auszulösen.

Die bestehende Ordnung irrt. Sie braucht sich keine Sorgen machen. Der stroboskopische Effekt ist hypnotisch. In den Millisekunden der Dunkelheiten ist jede für sich ein Kaninchen.

(Ich habe zuviel Baudrillard gelesen.)